Erstellt von: Isabel Laczkovich am 3.03.2026
Veranstaltung am: 28.02.2026
Vertical Up Kitzbühel
Es gibt Rennen, bei denen man sich fragt, ob man wirklich an der Startlinie stehen sollte.
Das Vertical Up in Kitzbühel war für mich genau so eines.
Wir sind bereits am Vortag angereist – Robert, und ich. Die Stimmung war eine Mischung aus Vorfreude und Respekt. Wenn man vor der Streif am Hahnenkamm steht und weiß, dass man diese Wand am nächsten Abend nahezu gerade hinaufgehen wird, wird einem bewusst, worauf man sich eingelassen hat.
Die Vorbereitung war intensiv: viele Höhenmeter, Krafttraining, gar nicht so einfach in Langenlois und Umgebung. Umso frustrierender war es, dass ich – wie leider schon bei meinen letzten sechs Wettkämpfen – wieder gesundheitlich angeschlagen war. Leicht erhöhte Temperatur, eine starke Nebenhöhlenentzündung, allgemeine Schwäche. Es ist mental unglaublich schwierig, wenn man Wochen investiert hat, Startgeld bezahlt hat, angereist ist – und dann steht plötzlich die Frage im Raum: Starte ich überhaupt?
Ich habe lange mit mir gerungen. Einerseits wollte ich meiner Gesundheit nicht weiter schaden. Andererseits wusste ich, wie viel Herzblut in dieser Vorbereitung steckte. Letztlich entschied ich mich bewusst dafür, an den Start zu gehen – allerdings mit einer klaren inneren Haltung: Sobald es nicht mehr verantwortbar ist, höre ich auf.
Gestartet wurde am Abend. Stirnlampen, Spikes unter den Schuhen, eisiger Untergrund. Manche Teilnehmer:innen gingen sogar mit Tourenski ins Rennen. Die Zahlen sprechen für sich: rund 900 Höhenmeter auf 3 Kilometern – nahezu schnurgerade rauf.
Noch nie bin ich einen derart steilen Hang hinaufgegangen. Dazu kam massives Eis – ständig rutschten Läufer:innen aus und schlitterten mehrere Meter zurück. Man kämpfte sich einen Abschnitt hinauf, nur um im nächsten Moment wieder halb hinunterzurutschen. Zwei Schritte vor, einer zurück. Mit angeschlagenem Kreislauf und verstopften Nebenhöhlen war jeder Atemzug zusätzlich fordernd.
Gerade deshalb war es weniger ein körperlicher als ein mentaler Kampf. Immer wieder in mich hineinhorchen: Geht es noch? Ist es noch vertretbar? Schritt für Schritt, Abschnitt für Abschnitt.
Nach 2 Stunden und 9 Minuten erreichte ich schließlich das Ziel. Erschöpft, aber unglaublich erleichtert und stolz, diese Herausforderung trotz allem gemeistert zu haben. Robert finishte in beeindruckenden 54 Minuten und somit 189 von fast 1000 Teilnehmern.
Ein besonderes Highlight war die legendäre Mausefalle. Normalerweise sieht man sie nur im Fernsehen bei den Weltcuprennen. Dort selbst hinaufzugehen und die tatsächliche Steilheit zu spüren, war ein beeindruckender Moment.
Rückblickend war dieses Rennen nicht nur ein sportlicher Wettkampf, sondern auch eine Entscheidung. Es hat mir wieder gezeigt, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören – und wie schmal der Grat manchmal zwischen Ehrgeiz und Vernunft ist.
Trotz aller Widrigkeiten war es ein unvergessliches Erlebnis. Extrem hart, mental fordernd, aber einzigartig.
Und genau deshalb würde ich es – mit der richtigen Gesundheit – jederzeit wieder machen.

